EJU - Weihnachtsbrief (Martin Karle)

Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter!
Liebe Freundinnen und Freunde des Evangelischen Jugend- u. Familienwerkes in Bad Urach!

Eigentlich seid ihr es gewohnt, an dieser Stelle einen Rückblick auf ein spannendes und ereignisreiches EJU-Jahr zu lesen und dabei schmunzelnd an so manche persönlichen Highlights zurückzudenken. Eigentlich hätten wir uns bereits in gemütlicher Runde zum Jahresabschluss bei der EJU-Adventsfeier getroffen. Eigentlich hatten wir uns doch am letzten Silvesterabend so auf das Jahr 2020 gefreut. Doch in diesem Jahr ist alles anders.

Seit dem Frühjahr sind wir gezwungen, unseren Alltag und unsere Freizeit ganz neu zu gestalten und haben dabei leider bei weitem nicht mehr den Freiraum, den wir bis dahin ganz selbstverständlich gewohnt waren. Wir müssen Abstand halten, wo wir doch so dringend eine Umarmung bräuchten. Wir müssen auswählen, mit wem im Freundeskreis und der Verwandtschaft wir uns weiterhin treffen können. Wir freuen uns über eine Rolle Klopapier mit Geschenkband. Wir machen uns weit mehr Sorgen um die Gesundheit unserer Angehörigen und vielleicht mussten wir auch viel zu früh Abschied nehmen von einem lieben Menschen. Wir mussten und müssen teils schmerzlich erfahren, dass wir eben nicht alles in der Hand und im Griff haben.

Das Jahr 2020 mit all seinen Herausforderungen und einprägsamen Erfahrungen wird ohnehin jedem immer in Erinnerung bleiben. Deshalb habe ich zusammen mit unserem Vorsitzenden Ralph beschlossen, den Blick in diesem Weihnachtsbrief weniger zurück, sondern vielmehr nach vorne zu richten, auch wenn die Blickrichtung Zukunft so manchem aktuell nicht leichter fällt.

Ralph hat mich in unserem Gespräch auf eine Passage aus dem Lied „Vergiss nicht zu danken“ (EG 608) aufmerksam gemacht, die doch ganz gut passen könnte. Jetzt sträubt sich wahrscheinlich spontan etwas in euch bei dem Gedanken, ausgerechnet im diesjährigen Weihnachtsbrief den auffordernden, ja fast anmaßenden Liedtitel „Vergiss nicht zu danken!“ zu lesen. Und doch hoffe ich sehr, dass euch spätestens beim intensiveren Nachsinnen einiges einfällt, wofür ihr auch in diesem Ausnahmejahr dankbar sein könnt. Vielleicht ja die ausgeprägte und intensivere Familienzeit. Oder die Entschleunigung des sonst so straff getakteten Alltags. Oder die Freude an neuen Formen der Gottesbegegnung in alternativen Gottesdienstformaten wie „Anders Feiern unterwegs“. Haltet doch einen Moment inne und setzt die Auflistung für euch persönlich fort …

Strophe 2 des Dankliedes von Heino Tangermann beginnt mit dem Zuspruch: „Du kannst ihm vertrauen in dunkelster Nacht, wenn alles verloren erscheint.“ Diese mit viel Schmerz verbundene, aber zugleich auch stärkende Erfahrung durfte ich persönlich in meiner bisher „dunkelsten Nacht“ dieses Jahr machen. Dass ich mein Gottvertrauen und meinen Glauben nicht verloren habe, sondern Gottes Wirken noch nie zuvor so unmittelbar und existenziell gespürt habe, ist für mich auch rückblickend ein Geschenk

Mit freundlicher Genehmigung v. Uli Gutekunst

Mit den ersten Zeilen des Kehrverses möchte ich nun aber wie angekündigt den Blick nach vorne richten: „Barmherzig, geduldig und gnädig ist er, viel mehr als ein Vater es kann.“ Es ist sozusagen die Vertonung der Jahreslosung, die uns durchs kommende Jahr begleiten wird.

„Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!“ (Lukas 6,36)

Eine unmissverständliche und ganz praktische Aufforderung, die uns als Leitspruch für das Jahr 2021 mit auf den Weg gegeben wird. Und doch gar nicht so leicht in die Tat umzusetzen. Das zeigt für mich die aktuelle Krise recht deutlich. Da stehen sich Befürworter und Gegner der Corona-Maßnahmen unversöhnlich gegenüber. Heftige Diskussionen und Wortgefechte ziehen sich bis hinein ins direkte persönliche Umfeld und reißen Gräben auf, wo vorher harmonische Einigkeit geherrscht hat. Gar nicht so einfach, barmherzig zu sein, wenn mein Gegenüber mich einfach nicht verstehen will.

„… viel mehr als ein Vater es kann“. Die Einsicht im Lied, dass unsere irdisch-menschliche Barmherzigkeit, Geduld und Gnade allesamt begrenzt sind, entbindet uns sicherlich nicht vom klaren Auftrag, der im Vers der Jahreslosung steckt. Und dennoch hilft der Zusatz mir, den Vers richtig einzuordnen. Es geht nicht um Leistungsdruck und den erhobenen Zeigefinger. Vielmehr steckt für mich ein rückenstärkendes Ermutigen in dem Vers. Die unendliche und grenzenlose Barmherzigkeit unseres himmlischen Vaters kann und will uns darin bestärken, der Herzlosigkeit in Teilen unserer Gesellschaft und in unserer Nachbarschaft etwas entgegenzusetzen: nämlich Gottes liebenden Blick, mit dem er all seine Kinder anschaut. Eben dieses liebevoll-väterliche Ermutigen kommt für mich in der kindgerecht gestalteten Grafik von Uli Gutekunst so schön zum Ausdruck, dass wir sie auch bewusst als Karte für die Losungsbücher ausgewählt haben.

Ganz im Sinne der Jahreslosung möchte ich dieses Schreiben auch nutzen, um DANKE zu sagen für eure Geduld und euer Durchhaltevermögen, die ihr aufbringt, um eine allumfassende Krise durchzustehen, die auch die Kinder- und Jugendarbeit hart getroffen hat und vor bisher ungeahnte Herausforderungen stellt. Danke auch für alle Kreativität in der Entwicklung alternativer Angebote und neuer Formate, um trotz aller Einschränkungen in Kontakt zu bleiben und füreinander da zu sein. Danke auch für alles Anpacken, beispielsweise beim Einkaufsdienst im Frühjahr oder beim Abriss im Dietrich-Bonhoeffer-Haus. Danke für alle Gebete, die uns auch weiterhin durch die Krise tragen werden. Gleichzeitig bitten wir auch um Verzeihung und eure Barmherzigkeit für alles, was wir als EJU im Krisenjahr schuldig geblieben sind. Kinder- und Jugendarbeit, die von Gemeinschaft und Beziehungen lebt, in Zeiten teils drastischer Kontaktbeschränkungen am Leben zu erhalten und mit Leben zu füllen, ist eine enorme Herausforderung, die uns auch ins nächste Jahr hinein begleiten wird. Umso dankbarer sind wir für alle Ideen und Anregungen, die uns bei diesem Anliegen unterstützen.

Da unsere Adventsfeier in diesem Jahr ja leider nicht stattfinden konnte, laden wir herzlich ein, euch bei unserer Wichtelaktion zu beteiligen. Alle Freude-Schenker können sich selber auch auf eine Wichtelüberraschung kurz vor Weihnachten freuen. Wie die Aktion genau funktioniert, seht ihr im beiliegenden Flyer.

Da ja leider auch hinsichtlich der Planungen für nächstes Jahr noch viel Unsicherheit herrscht, haben wir diesmal für euch noch keinen Jahreskalender. Werft doch aber stattdessen immer wieder einen Blick auf die mittlerweile so schön gestaltete und ständig aktuell gehaltene Homepage von Kirchengemeinde und EJU: www.badurach-evangelisch.de Ralph investiert da unheimlich viel Zeit und Herzblut, so dass die Seite inzwischen in ganz neuem Glanz erstrahlt und viele Angebote für Groß und Klein für euch bereithält.

Im Namen des gesamten EJU-Vorstands wünsche ich euch nun allen eine gesegnete, behütete und besonders lichterfüllte Advents- und Weihnachtszeit.

 

Martin Karle