Gemeindebrief (Daniela Bleher)

Liebe Gemeindeglieder,
Wenn ich ins Krankenhaus komme, übernimmt die Krankenversicherung die Kosten. Von Armut gebeutelte Menschen finden Hilfe beim Sozialamt. Arbeitslose erhalten Unterstützung vom Arbeitsamt. Um das alles finanziell zu stemmen, erhebt der Sozialstaat Steuern. Die Solidargemeinschaft, in der wir leben, macht es möglich, dass in Not geratene Menschen sozusagen im Tausch Hilfe von anderen bekommen.

Grafik: Lotz

Mit Barmherzigkeit hat das allerdings noch nichts zu tun. Barmherzigkeit, von der Jesus spricht, hat nichts mit Verrechenbarkeit oder einer Win-Win-Situation zu tun. Barmherzigkeit, die er meint, wird uns ganz bildhaft in der Geschichte vom barmherzigen Samariter vor Augen geführt: Ein Mensch fällt unter die Räuber und bleibt halb tot liegen. Zwei ehrbare Menschen gehen ungerührt vorbei. Der dritte Passant, ein Samariter, lässt sich von dem, was er da sieht, bewegen und er versorgt den Verletzten und bringt ihn schließlich in eine Herberge. Der Samariter hilft dem Verletzten nicht, weil er hofft, dafür etwas zu bekommen: Er hat keine Kostenerstattung in Aussicht. Und auch jegliche andere Anerkennung bleibt einfach aus.

Dem Barmherzigen geht das Leid eines anderen einfach so sehr zu Herzen, dass er gar nicht anders kann als helfen zu wollen. Ein Herz, das sich berühren lässt durch die Not anderer und diese lindern will, hat sich wie eine Schale, von dem Strom der Liebe und Barmherzigkeit Gottes füllen lassen. Erst dann kann es in der Begegnung mit den an Leib und Seele Verletzten, mit den Mutlosen, mit den Traurigen, mit den Hoffnungslosen und mit den Ängstlichen, etwas weitergeben von dem, was es im Überfluss erfüllt.

Lassen wir uns anstecken von der Kraft dieses Stromes der Barmherzigkeit, damit auch das Jahr 2021 „ein Jahr des Herrn“ werde!

Das wünscht Ihnen von Herzen

Ihre Pfarrerin Daniela Bleher